Fahren auf Pisten und Dirt Roads

USA Roads
Straße im Death Valley Nationalpark


Von 'Graded Dirt Roads' bis zur Tiefsandpiste

Während man sich mit dem PKW oder Wohnmobil bis auf wenige Ausnahmen auf die geteerten Straßen beschränken muss, hat man mit einem Geländewagen die Möglichkeit, auf ungeteerten Nebenstrecken in Gebiete vorzudringen, in denen man kaum Menschen begegnet - wilde und ursprüngliche Naturlandschaften, die man im übervölkerten Europa wohl so nicht mehr findet. Bei den Dirt Roads gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. Das Spektrum reicht dabei von relativ einfach zu befahrenden 'graded dirt roads' bis zu schwierigen Tiefsandpisten und holprigen Feldwegen mit tiefen Spurrillen, Schlaglöchen und Steinen. Während man die einfacheren Dirt Roads noch (mit entsprechender Vorsicht!) auch mit PKW und Wohnmobil befahren kann, sollte man sich für die anspruchsvolleren Wege unbedingt einen Geländewagen mieten. Dieser sollte eine gute Bodenfreiheit (High Clearance) und einen möglichst kurzen Radstand haben, Allrad (4WD) sollte nach Bedarf zuschaltbar sein (kein AWD). Wichtig sind auch möglichst neue Reifen mit gutem Profil, Wagenheber und Werkzeug sowie ein vollwertiges Ersatzrad, das möglichst leicht zugänglich sein sollte (am besten auf der Wagenrückseite).

USA Roads
Begegnung mit einem Kojoten im abgelegenen Nordteil des Death Valley


Vorsicht: kein Versicherungsschutz abseits geteerter Straßen!

Wissen sollte man allerdings auch, dass die bei den gängigen Mietwagenfirmen angebotenen SUV's nicht wirklich für das Fahren abseits der geteerten Straßen ausgestattet sind. Dies merkt man insbesondere an der oft mangelnden Bodenfreiheit und an der Bereifung. Die meisten SUVs sind nämlich mit ganz normalen Straßenreifen ausgestattet, die nur ein relativ dünnes Profil haben und je nach Einsatzdauer auch noch abgefahren sind. Falls Sie vorhaben, ins Gelände zu fahren, schauen Sie sich also bei dem Mietwagen zuerst die Reifen und den Tachostand an. Wenn Sie Glück haben, gibt es in der Choiceline ein Fahrzeug mit Cross Tires (diese sind meist größer und haben eine höhere Profiltiefe). Wissen sollte man auch, dass bei Miet-SUV's bei Unfällen und Schäden abseits geteerter Straßen kein Versicherungsschutz besteht! Im Notfall muss man also die Abschleppkosten bzw. Schäden am Fahrzeug aus eigener Tasche bezahlen.

Jeepmiete und organisierte Jeeptouren

Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, kann auch direkt vor Ort richtige Jeeps mieten. Allerdings sind diese nur an wenigen Orten (z.B. in Moab oder Durango) verfügbar und im Verhältnis zu gemieteten SUV's sehr teuer (ab 145.- US Dollar/Tag plus Versicherung). Bei den Jeep Rentals empfiehlt es sich auch, bereits zu Hause eine Zusatzhaftpflicht für Mietwagen im Ausland abschließen, da diese vor Ort nicht angeboten wird und die Standard-Deckungssumme in den USA meist viel zu niedrig ist! Meistens fehlt bei den vor Ort angebotenen Jeep Rentals auch die CDW (Vollkaskoversicherung), da diese bei den Amerikanern personenbezogen ist und damit automatisch auch für Mietwagen gilt. Von Amerikanern wird deshalb nur ein entsprechender Nachweis (proof of insurance) verlangt. Als Tourist muss man die CDW (= Collison Damage Waiver) auf jeden Fall zusätzlich beim Vermieter abschließen, vorausgesetzt er bietet diese an. Also unbedingt fragen. Sonst ist man im Ernstfall nicht versichert. Eine weitere Alternative für die Erkundung abgelegener Wildnisgebiete ist die Teilnahme an organisierten Jeeptouren. Wo dies angeboten wird, haben wir bei der Beschreibung der einzelnen Reiseziele darauf hingewiesen.

Graded Dirt Road
Graded Dirt Road


Nach dem aktuellen Straßenzustand erkundigen!

Die meisten Dirt Roads befinden sich auf National Forest oder BLM-Gebiet. Zuständig für die Unterhaltung der Wege und Einfachcampgrounds in diesen Regionen sind demzufolge die Ranger oder Mitarbeiter des National Forest oder des Bureau of Land Management, in deren Büros man sich vor Beginn einer Tour über den aktuellen Straßenzustand erkundigen sollte. So können etwa durch Überschwemmungen oder Erdrutsche Teile der Straßen längere Zeit unpassierbar sein, da der Staat für diese nur wenig besuchten Gebiete kaum finanzielle Mittel zur Unterhaltung bereit stellt. Ist man in sehr abgelegenen Gebieten unterwegs, sollte man zusätzlich vor Ort mit den Mitarbeitern der National Forest oder BLM Büros über Dauer und Route der geplanten Tour sprechen und vereinbaren, sich nach der Tour wieder telefonisch oder persönlich zu melden, damit diese im Notfall gezielt nach vermissten Fahrzeugen oder Personen suchen können. Zu den weiteren Vorsichtsmaßnahmen gehören bei Touren abseits geteerter Straßen ein voller Benzintank (bei sehr langen Strecken auch ein Reservekanister) sowie ausreichend Lebensmittel und Frischwasser.

USA Roads
Mit dem Wohnmobil auf dem ungeteerten Moki Dugway


Wettervorhersage beachten!

Ein weiteres Muss ist die Beachtung der aktuellen Wettervorhersage und die ständige Beobachtung der Wetterentwicklung während der Tour. So können beispielsweise starke Winde oder Stürme in sandigen Wüsten- oder Dünengebieten dem Fahrer durch die aufgewirbelten Sandpartikel vollkommen die Sicht nehmen. Diese starken Stürme sind besonders im Sommer sehr häufig und Vorboten der fast jeden Nachmittag auftretenden Thunderstorms (die Amerikaner wissen schon, warum sie diesen Namen gewählt haben). Ist man trotz Wettervorhersage in einen solchen Sandsturm geraten, ist es auf jeden Fall besser, stehenzubleiben und im Fahrzeug abzuwarten, als ohne Sicht weiterzufahren und dadurch von der Piste abzukommen.

USA Dirt Roads
Dirt Road in der Nähe des Shiprock

Vorsicht bei Nässe und Regen!

Ebenfalls meiden sollte man ungeteerte Nebenstrecken bei vorausgegangenen oder bevorstehenden Regenfällen, da sich die oft sandigen Erdpisten dann in tiefe Schlammlöcher verwandeln. Tückisch sind insbesondere lehmhaltige Böden, auf denen sich bei Nässe ein schmieriger Gleitfilm bildet, auf dem selbst ein Geländewagen mit Allradantrieb keinen Halt mehr findet und unkontrolliert ins Schleudern geraten kann. Ein Problem ist der Regen besonders in den ausgetrockneten Wüstengebieten. Hier kann die durch die Hitze festgebackene Erde die plötzlich herunterstürzenden Wassermassen nicht schnell genug aufnehmen, so dass im Nu viele kleinere Rinnsale oder Bäche, in schmalen Canyons sogar hohe Sturzfluten, sogenannte 'flash floods' entstehen. Ausgetrocknete 'washes' verwandeln sich dann schnell in reißende, quer zur Straße verlaufende Bäche. Ist man trotz Vorsichtsmaßnahmen in einen länger anhaltenden Regenschauer geraten, bleibt oft nur Abwarten, bis die Sturzbäche versiegt sind und die Erde trocken genug ist, um weiterzufahren.

USA Jeeptour
Mit einem gemieteten Wrangler Jeep kann man auch die schwierigsten Pisten bewältigen


Orientierung mit Topomaps und GPS-Daten

Da das Angebot an guten Landkarten und Topomaps (insbesondere über Wildnisgebiete) in den USA sehr begrenzt ist, sollte man Touren abseits geteeter Straßen bereits zu Hause sorgfältig vorbereiten und planen. In diesem Reiseführer finden Sie dazu detaillierte Topomaps, die man sich ausdrucken kann. Für Abstecher in Wildnisgebiete und Querfeldeinwanderungen sind als zusätzliche Orientierungshilfe wichtige Punkte und Abzweigungen auch als GPS-Daten angegeben, die man sich bei Bedarf als .gpx-Datei auf ein GPS-Gerät herunterladen kann.

USA Dirt Roads
Holprige Lehmpiste im Gebiet der Trona Pinnacles


Tipps zur Fahrtechnik

Eine Eigenart der meisten ungeteerten Nebenstrecken sind die waschbrettartigen Querrillen, die sich nach jedem Regenschauer neu bilden und über die gesamte Fahrbahnbreite erstrecken. Je nach Tiefe dieser Rillen und Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird man dabei nicht nur äußerst unangenehm durchgeschüttelt, sondern es kann auch vorkommen, dass das Fahrzeug die notwendige Bodenhaftung verliert und seitlich davonrutscht. Das einzige, was man in diesem Fall tun kann, ist in einen niedrigeren Gang zu schalten, nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell zu fahren und sich auf geraden, ebenen Strecken möglichst rechts am Fahrbahnrand zu halten, da hier die Rillen nicht so ausgeprägt sind. Besonders tief sind die Rillen meist in schräg abfallenden oder ansteigenden Kurven. Hier ist es besser, am oberen Rand der Neigung entlangzufahren, auch wenn sich diese gerade auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet. Die Amerikaner nennen solche Streckenabschnitte übrigens sehr treffend ‚washboarded'.

Primitive Dirt Road
Felsstufen auf dem Weg zur abgelegenen Toroweap Area

Etwas mehr Vorsicht und eine weitaus geringere Fahrgeschwindigkeit erfordern Nebenstrecken mit tiefen Schlaglöchern und/oder vielen großen Steinen. Hier hilft nur Konzentration und ständiger Vorausblick auf die Fahrbahn, um sich rechtzeitig auf jedes Hindernis einstellen zu können. Ist die Strecke sehr steinig, sollte man nicht zu schnell fahren. Wichtig ist auch, dass der Reifendruck ausreichend hoch ist. Beides verringert das Risiko einer Reifenpanne. Und denken Sie daran, wie Ihr Fahrzeug gebaut ist. Die kritischsten Stellen sind die, die man während der Fahrt am wenigsten sieht - nämlich der Fahrzeugunterboden und das Heck bzw. die Auspuffanlage.

Fahren auf Sandpisten!

Sandpisten gehören zu den schwierigsten Geländestrecken im Südwesten. Abgesehen davon, dass man durch die eigentlichen Dünengebiete nur mit den in den USA weit verbreiteten ATV's oder Dune Buggies fahren darf, trifft man auch bei anderen Nebenstrecken oft auf kleinere oder größere sandige Abschnitte. Obwohl man hier oft das Gefühl hat, trotz hoher Drehzahl nur im Zeitlupentempo voranzukommen und im Sand unkontrolliert hin und her zu rutschen, sollte man die Geschwindigkeit nicht allzu sehr verringern, damit die Reifen stets greifen und man nicht stecken bleibt. Ganz besonders wichtig ist auch, rechtzeitig vor dem Sand den Allradantrieb zuzuschalten! Dazu muss man das Fahrzeug zunächst zum Stand bringen. Dann stellt man den 4WD Schalter auf 4WD Low. 4WD Low ist ein Allradmodus mit aktivierter Geländeuntersetzung, der nur für langsame Fahrt in schwerem Gelände gedacht ist. Low steht für „Low Range“. Damit hat man auf Sandpisten und in steilem, schwierigem Gelände die beste Traktion. Moderne SUVs mit Allradantrieb haben mittlerweile eine extra Konsole, an der man das jeweilige Gelände (Mud, Sand, Rocks etc.) einfach per Knopfdruck einstellen kann.

Sandpiste
Sandpiste im Butler Wash

Eine gute Vorsichtsmaßnahme für das Fahren auf Sandpisten sind ein paar starke, längere Bretter. Diese dienen im Notfall nicht nur als Ersatz für Sandbleche, sondern eignen sich auch zur Überquerung von tief eingeschnittenen 'washes'. Falls man doch einmal im Sand stecken geblieben ist, sollte man auf keinen Fall weiter Gas geben, da sich die Räder dadurch nur noch tiefer in den Sand eingraben. Stattdessen den Sand unter dem Auto, rund um die Räder und falls möglich, auch vor und hinter dem Fahrzeug wegschaufeln (im Notfall auch mit Schuhen und Händen), dann etwas direkt vor die Räder legen, das diesen zusätzliche Haftung verleiht (z.B. trockene Zweige) und erst dann mit 4WD Low versuchen, weiterzufahren. Es wird oft empfohlen, Fußmatten aus dem Fahrzeug unter die Räder zu legen, aber diese haben oft nicht genug Grip oder sie sind zu kurz und graben sich dann beim Gasgeben selbst noch in den Sand ein.

Sandpiste
Hier hilft nur noch eines - umkehren...

Abschließend noch ein Wort über den Staub als unvermeidlichen Begleiter jeder Dirt Road. Schließen Sie während der Fahrt alle Fenster und stellen Sie bei entgegenkommenden Fahrzeugen auch das Gebläse ab - der feine Sand dringt nämlich durch die feinsten Ritzen und das merkt man meist erst dann, wenn die Tour zu Ende ist.

     Fotostory Reifenwechsel - Wildnisabenteuer in Nevada


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