Lexington Canyon Lexington Arch


Wildnisabenteuer in Nevada

Nach meiner unerwarteten und zum Glück recht glimpflich ausgegangenen Reifenpanne im Valley of Fire bin ich, was das Fahren auf Dirt Roads anbelangt, doch etwas vorsichtig geworden. Vor allem, weil ich hier mitten im August in einer der einsamsten Gegenden Nevadas unterwegs bin. Selbst auf den normalen, geteerten Straßen kommt mir nur äußerst selten ein Fahrzeug entgegen. Rechts am Straßenrand ein kleines Schild mit der Aufschrift 'No Service 120 Miles'. Das ist alles. Dann kommt nichts mehr. Keine Ortschaft. Kein Haus. Kein Nichts. Nur noch endlose Weite. Was es bedeuten muss, hier in dieser völlig verlassenen Gegend die ohnehin schon einsamen Landstraßen zu verlassen und auf irgendwelche unbekannten Schotterpisten abzubiegen, kann ich mir ausmalen. Also muss ich mir genau überlegen, was ich tue. Welche Strecken ich allein fahren kann und welche nicht. Und mich entsprechend vorbereiten.

Vor allem muss ich wissen, wie man im Notfall einen Reifen wechselt. Das ist mein persönliches 'Worst Case'-Szenario, weil ich bisher immer nur zugeschaut habe und weiß, wie anstrengend und schwierig das ist. Aber zuschauen nützt nicht viel. Wenn ich hier draußen bin, muss ich es können. Also ist mein nächster Stopp eine Reifen-Werkstatt. Dort lasse ich mir genau zeigen, wie alles funktioniert, wie man das Reserverad am Fahrzeugunterboden herunterkurbeln kann, welches Werkzeug es gibt, wie man es zusammenbaut und wie man schließlich den Reifen wechselt. Erst als ich das alles weiß, fahre ich weiter Richtung Norden, Richtung Lexington Arch.

Lexington Canyon

Dirt Road Richtung Lexington Arch

Die Dirt Road, die dorthin führt, ist 11 Meilen lang. Das ist eine Strecke, die ich im Notfall auch wieder zu Fuß zurück laufen kann. Ein entscheidendes Kriterium. Als ich an der Abzweigung zum Lexington Arch bin und auf die Schotterpiste abzweige, die sich irgendwo im Nichts verliert, steigt trotzdem die Anspannung. Denn ab jetzt bin ich ganz auf mich allein gestellt. Hier draußen kommt im August garantiert niemand vorbei, auch kein Ranger. Und Handys funktionieren in diesen abgelegenen Gebieten sowieso nicht mehr.

Zum Glück ist die Strecke gut ausgeschildert, denn unterwegs gibt es viele Abzweigungen. Schließlich erreiche ich den von imposanten Felsen gesäumten Lexington Canyon. Hier verengt sich die anfangs breite Schotterpiste zu einem schmalen Feldweg, später zu einem mit Schlaglöchern und vielen Steinen übersäten Jeeptrail, auf dem ich nur noch ganz langsam vorankomme. Aber das Ziel ist ja nicht mehr weit.

Lexington Canyon

Der von Felsen gesäumte Lexington Canyon

Am Endpunkt dieser holprigen Piste angekommen, steige ich aus und packe meinen kleinen Tagesrucksack, um hinauf zum Lexington Arch zu wandern. Es ist jetzt später Nachmittag. Eine gute Zeit also, denn die Wanderung ist nicht besonders weit und wenn ich oben bin, habe ich bestimmt eine schöne Lichtstimmung, um gute Fotos zu machen. Doch was ist das?

Gerade als ich den Autoschlüssel verstaue und dabei bin, loszuwandern, höre ich mitten in die Stille hinein ein Geräusch. Ein ganz leises Zischen, fast unhörbar. Aber mittlerweile kenne ich dieses Geräusch nur zu gut. Und vor allem weiß ich, was es bedeutet. Das darf doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder. Und vor allem nicht hier, in diesem abgelegenen Canyon!

Flat Tire in Lexington Canyon

Bei amerikanischen SUV's ist das Ersatzrad meist am Fahrzeugunterboden angebracht

Genervt stelle ich den Rucksack wieder auf den Boden und lege mein Ohr an jeden Reifen, bis ich weiß, welcher die Luft verliert. Hier ist es. Das linke Hinterrad. Allerdings ist das Loch sehr klein. Vielleicht hilft da eine Dose Fix-A-Flat. Zwei davon habe ich ja noch im Wagen. Ich schüttle die Dose, setze den Schlauch ans Ventil und warte, bis sich der flüssige Inhalt im Innern des Reifens verteilt hat. Dann setze ich mich ins Fahrzeug, weil ich ja weiß, dass man danach ein halbe Stunde fahren soll. Nur geht das hier nicht so gut. Die Strecke ist steinig und holprig. Nun ja, versuchen kann ich es zumindest. Als ich wieder zurück am Trailhead bin und mir den Reifen anschaue, höre ich noch immer das gleiche Geräusch, nur diesmal zischt es schon viel stärker. Es hilft also nichts. Ich muss den Reifen wechseln!

Flat Tire in Lexington Canyon

Mein erster Reifenwechsel - hoffentlich hält das Ganze ...

Zum Glück habe ich mir heute morgen alles genau eingeprägt. Also weiß ich jetzt, was ich zu tun habe. Trotzdem bin ich angespannt wie ein Flitzebogen, weil ich ja keinen Fehler machen will und das Ganze richtig harte körperliche Arbeit ist. Aber irgendwann habe ich es dann doch geschafft. Völlig müde und verdreckt schaue ich mir das fertige Ergebnis noch einmal an, bevor ich mir mit warmem Wasser den Schmutz vom Körper wasche und dann nicht weit vom Auto entfernt in einem kleinen Wacholderhain mein Zelt aufbaue. Zum Wandern ist es jetzt natürlich schon zu spät. Und müde bin ich auch...

Camping in Lexington Canyon

Ungeplante Zeltübernachtung am Trailhead zum Lexington Arch

Mitten in der Nacht wache ich auf. Vor meinem Zelt ein lautes Fauchen. Wie von einer großen Raubkatze. Es klingt bedrohlich und wiederholt sich. Wieder und immer wieder. Da ich im Zelt in der Dunkelheit nichts sehen kann, versuche ich, mich nicht zu bewegen und auch keine hörbaren Atemgeräusche mehr zu machen. Vielleicht verschwindet das unbekannte Tier dann von allein. Aber dem ist nicht so. Stattdessen immer und immer wieder dieses drohende Fauchen. Kurz überlege ich, ob ich aus dem Zelt sprinten und zum Auto rennen soll. Aber diesen Gedanken verwerfe ich sofort wieder. Falls es tatsächlich ein Puma, also ein Berglöwe ist, hätte er mich mit einem Satz gepackt, bevor ich überhaupt das Auto erreiche. Also was tun?

Vorsichtig, so dass man nicht das leiseste Geräusch hören kann, richte ich mich auf und öffne dann Millimeter für Millimeter den Reißverschluss am Zelteingang. Ein kurzer Blick hinaus in die Nacht genügt. Direkt vor mir, nicht mehr als 3-4 Meter entfernt, sitzt ein ausgewachsener Berglöwe und starrt mit funkelnden Augen auf das Zelt.

In Gedanken versuche ich mir vorzustellen, was in ihm vorgeht. Wahrscheinlich ist er unterwegs zum Bach, zur Wasserstelle. Und jetzt steht da ein riesiges Ungetüm, oder besser zwei Ungetüme. Nämlich das Auto und das Zelt. Dinge, die er nicht kennt, und die ihm vielleicht ebenso bedrohlich vorkommen wie er mir. Was also tun? Mit klopfendem Herzen lege ich mich wieder hin und schließe die Augen, in der Hoffnung, dass er irgendwann verschwindet. Mehr kann ich nicht tun. Es ist ein banges Warten. Endlos ziehen sich die Minuten, aber das drohende Fauchen hört nicht auf. Irgendwann, ein halbe Stunde oder eine Stunde später, wird es still. Erst jetzt kann ich wieder etwas tiefer Luft holen und atmen, zuerst noch ganz vorsichtig. Aber irgendwann traue ich mich dann sogar wieder, mich zu drehen und mir den Schlafsack über die Schultern zu ziehen. Und irgendwann schlafe ich dann sogar ein.

Camping in Lexington Canyon

Im Licht der Morgensonne sieht die Welt schon wieder etwas freundlicher aus

Am nächsten Morgen, als die Sonne langsam herauskommt, ist der Spuk verschwunden. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass der Puma immer noch irgendwo in der Nähe ist. Aber da jetzt die Sonne so schön scheint, versuche ich einfach, nicht daran zu denken und mich auf die Dinge zu konzentrieren, die zu tun sind. Ich baue das Zelt ab, mache Kaffee und Frühstück und dann wandere ich langsam den mit Wildblumen übersäten Hang hinauf Richtung Lexington Arch. Jetzt, im Licht der Sonne, sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus. Und als ich schließlich den wunderschönen Steinbogen erblicke, der vom Licht der Morgensonne angestrahlt wird, ist schon fast wieder alles vergessen.

Camping in Lexington Canyon

Blick auf den Lexington Arch

Und das mit dem platten Reifen hatte auch sein Gutes. Denn sonst wäre ich schon am Nachmittag zum Lexington Arch gewandert und dann hätte ich keine guten Fotos machen können, denn nachmittags ist der Steinbogen im Gegenlicht. Trotzdem bin ich froh, als ich endlich wieder auf dem Highway bin. Und von Reifenpannen habe ich erstmal genug, auch wenn ich jetzt weiß, wie es geht. Man muss es ja nicht unbedingt ständig üben :-)



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