Bandelier Ruins und Ceremonial Cave

Bandelier - das ist der Name eines Schweizer Ethnologen und Forschers, der im Jahr 1880 als erster Weißer einen kleinen bewaldeten Canyon betrat, geführt von einem Indianer namens Juan José Montaya aus dem nahegelegenen Cochiti Pueblo. Was er entdeckte, waren die Ruinen einer kreisrunden Puebloanlage und mehrere langgestreckte, hohe Felswände aus weichem, vulkanischem Tuffgestein mit Hunderten von winzigen Voratskammern und Wohnhöhlen, in denen nach Angaben seines indianischen Führers wohl die Vorfahren seines Stammes und anderer, benachbarter Pueblodörfer gewohnt und gelebt haben mussten. Begeistert über seine ungewöhnliche Entdeckung nannte Bandelier die Ruinen "the grandest thing I ever saw". Durchaus verständlich, denn neben Mesa Verde und dem Chaco Canyon ist Bandelier eine der beeindruckendsten und besterhaltenen Siedlungen aus der Zeit der Anasazi.


Talus House

Dadurch, dass sich hier alle Ruinen auf relativ kleinem Raum innerhalb des Frijole Canyon befinden, kann man sich auch sehr schön ausmalen, wie das Leben und der Alltag dieser Menschen vor rund 1000 Jahren wohl ausgesehen haben muss. Da ist zunächst der klare Bach, der das Tal durchfließt und für eine üppige Vegetation sorgt. Rund um diesen Bach wurden damals Felder bewirtschaftet, auf denen Mais, Bohnen und Kürbisse angebaut wurden. Die vielen großen Bäume boten Schutz vor der glühenden Sommerhitze, sie lieferten aber auch das notwendige Brennholz zum Kochen und zum Heizen (Bandelier liegt auf über 2.000 Metern Höhe, hier wird es im Winter also richtig kalt!). Große runde Baumstämme wurden auch als Deckenbalken für die Überdachung der Kiva und für den Aufbau mehrstöckiger Puebloanlagen verwendet, sehr schön zu sehen übrigens an der steilen, glatten Felswand von Long House mit zwei übereinanderliegenden Reihen großer, kreisrunder Löcher für die Befestigung der Baumstämme. Hier nutzte man die Felsen sozusagen als feste Rückwand, an das sich die gemauerten Puebloräume in drei aufeinanderfolgenden Stufen anlehnen konnten. Genauso geschickt nutzte man auch die vielen natürlichen Felshöhlen im weichen Tuffgestein, die zum Teil noch erweitert, vertieft oder durch zusätzliches Mauerwerk vergößert wurden.


Long House         Bandelier Felswohnungen

Erreichbar waren diese kleinen Vorratskamern und Felswohnungen, aber auch die jeweils untersten Reihen der Pueblos ausschließlich über Holzleitern - ein pfiffiges Sicherheitssystem, das man in den meisten Pueblos verwendete, um sich während der Nacht vor unliebsamen Besuchern und Eindringlingen zu schützen. Das Highlight von Bandelier, eine wunderschön oben in den Felsen gelegene Zeremonialkiva, erreicht man übrigens auch nur über ein System von mehreren aufeinanderfolgenden Holzleitern.


Ceremonial Cave



Geschützt und unerreichbar wie ein Adlernest liegt diese Felshöhle oben in der Canyonwand, so dass man sich bei Gefahr vielleicht sogar hier oben in Sicherheit bringen konnte - zumindest einige Bewohner, vielleicht Alte, Frauen und Kinder, denn für alle gab es in dieser kleinen Höhle sicher nicht genug Platz. Wie groß diese Höhle dennoch ist, erkennt man erst, wenn man oben ist - eine kreisrunde, natürliche Felsenöffnung mit hohem Deckengewölbe und einem etwas unebenen, von Kieseln und Steinblöcken übersäten Felsboden. Hinten an der Wand erkennt man weitere große Felsspalten und darüber eine Reihe runder Löcher, die wohl auch zur Befestigung von Holzbalken verwendet wurden.


Ceremonial Cave

Ganz vorne, am Rande der Höhle, befindet sich schließlich die kleine, gemauerte Kiva, in der früher wohl religiöse Zeremonien abgehalten wurden, so wie es viele Pueblostämme auch heute noch tun. Von hier aus hatte man aber auch einen phantastischen Blick hinunter ins Tal, so dass diese Höhle vielleicht neben religiösen auch strategischen Zwecken diente.


Kiva Ceremonial Cave         Ceremonial Cave

Interessant ist übrigens auch, dass es auf dem über 130 Quadratkilometer großen Gelände des Bandelier National Monument noch viele, viele weitere Ruinenstätten gibt, zwischen 3.000 bis 8.000 schätzt man, die meisten davon noch völlig unberührt und versteckt unter dichter Vegetation in abgelegenen und nur schwer erreichbaren Wildnisgebieten. Wer etwas Abenteuerlust, Kompass oder GPS und gute topographische Karten mitbringt, kann einige dieser Ruinen wie das Yapashi Pueblo oder die Painted Cave über längere Querfeldeinwanderungen erreichen. Allerdings sollte man bei der Erkundung dieser Ruinenstätten immer daran denken, dass viele dieser Orte auch heute noch von den Indianerstämmen der Umgebung als heilige Orte betrachtet werden, an denen gelegentlich religiöse Handlungen oder Zeremonien stattfinden.


Indian Paintbrush

Neben solchen Trekkingtouren in das wilde Hinterland lohnt sich auch ein Besuch der ebenfalls zum Bandelier National Monument gehörenden, aber weiter entfernt liegenden Ruinen von Tsankawi, die einen ganz anderen Charakter besitzen, aber auch eine anschließende Rundfahrt durch die schöne bewaldete Bergregion der Jemez Mountains mit Abstechern zum Jemez State Monument, einer alten spanischen Missionsstation aus dem Jahr 1622 und zu den Kalksinterterassen des Soda Dam (mehr dazu gleich hier bei den Infos). Und wenn es ganz, ganz heiß ist wie hier, als wir im Hochsommer durch die Ruinen marschiert sind, kann man natürlich auch erst mal eine lange Siesta im Schatten einlegen und dann oben auf dem kleinen Campingplatz im Wald übernachten. Dort, zwischen all den schönen Wacholderbäumen, ist es nachts nicht nur wunderbar ruhig, sondern auch erfrischend kühl :-)



Ausführliche Infos zu diesem Reiseziel im neuen Reiseführer

Faszination USA Südwesten

Reiseführer bestellen




Reiseführer Faszination USA Südwesten           © www.tourideas-usa.com Impressum       Datenschutzerklärung