Big Bend Nationalpark - West Texas

Weit entfernt von den viel besuchten Sehenswürdigkeiten des Südwestens liegt tief drunten im Süden von West Texas ein ganz besonderes Juwel unter den amerikanischen Nationalparks - der Big Bend. Dieser Name stammt vom Río Grande, der an dieser Stelle mit einer riesigen Flußschleife die Grenze bildet zwischen den USA im Norden und Mexiko im Süden. Da man von El Paso, der nächstgelegenen Großstadt bis hierher fast eine ganzen Tag mit dem Auto unterwegs ist, kommen nur wenige Besucher in diesen Park. Ein abgelegenes Wildnisgebiet also, das noch reichlich Platz bietet für faszinierende Tierbeobachtungen und Exkursionen durch wilde, einsame Naturlandschaften.


Mule Ears

Etwas Geduld braucht man schon, um endlich hierher zu kommen, aber die weite Anfahrt lohnt sich. Ganz plötzlich, nach Stunden endlos erscheinender Fahrt durch flaches, monotones Weideland, taucht überraschend eine gewaltige Gebirgskette vor den Augen auf, das Bergmassiv der Chisos Mountains, umgeben von gezackten Felsen aus dunklem Lavagestein und einer urwüchsigen Wüstenlandschaft mit rot blühenden Ocotillo-Sträuchern, Sotol-Agaven und Kakteen. Baumeister dieser Landschaft waren zahlreiche Vulkane, die vor etwa 50 bis 70 Millionen Jahren in mehreren Eruptionen Asche und Lava über das Land breiteten. Aus der gleichen Zeit stammen übrigens die vielen Fossilienfunde des Parks, darunter die Skelettknochen des Pterosaurus, eines riesigen Flugsauriers mit einer Flügelspannweite von 11 Metern.


Big Bend Nationalpark

Entdecken läßt sich die ganze landschaftliche Vielfalt des riesigen Big Bend Nationalparks am besten mit einem Geländewagen und auf längeren Wanderungen. Allerdings sollte man dabei immer bedenken, dass dieses Gebiet bereits zur Chihuahua-Desert gehört, einer trockenen, heißen Wüste, in der die Tagestemperaturen schon im Frühjahr die 40 Grad-Marke übersteigen können. Viele der Wanderwege wie hier zu den Mule Ears sind ausgesprochene Wüstenhikes ohne jeglichen Schatten. Aufpassen sollte man in diesen Gebieten auch auf Taranteln, Skorpione und Schlangen, die vor allem in den Morgen- und Abendstunden aktiv sind.


Big Bend horseback riding

Eine ganz andere Art, die faszinierende Wüsten- und Felslandschaft des Big Bend kennenzulernen, sind Reittouren durch das von schmalen Canyons durchzogene Gebiet westlich des Parks bei Study Butte. Mit etwas Glück bekommt man dabei auch einige der zahlreichen Wildtiere des Parks zu sehen wie dieses 'Javelina', das zwar wie ein etwas klein geratenes Wildschwein aussieht - und genauso aggressiv sein kann - , aber näher mit dem Tapir verwandt ist.


Javelina

Als wir nachts am Cottonwood Campground zelten, werden wir übrigens nachts von einer ganzen Herde dieser Javelinas aus dem Schlaf geweckt. Mit lautem Schnüffeln und Grunzen wandern sie um unser Zelt und fressen mit Genuss das saftig grüne Gras, bis sie endlich Stunden später im Morgengrauen wieder lautlos in den Wäldern verschwinden.

Als wir nach unserer nächtlichen Ruhestörung durch die Javelinas am nächsten Morgen hinüberschlendern zu den leerstehenden Stellplätzen der Wohnmobile, entdecken wir dort einige Truthahngeier, die sich gerade mit weit ausgebreiteten Flügeln in der Morgensonne aufwärmen.


turkey vultures

Während unseres Rundgangs verfolgen sie zwar alle unsere Bewegungen mit den Augen, aber so richtig stören lassen sich die Herrscher der Lüfte durch uns nicht. Interessant ist auch, wie gesellig diese Vögel sind. Tagsüber sieht man sie oft am Himmel zu zweit oder dritt ihre Kreise ziehen, abends versammeln sie sich dann in ganzen Scharen auf hohen Bäumen, um dort oben gemeinsam die Nacht zu verbringen.


Santa Elena Canyon          Santa Elena Canyon Trail

Uns zieht es jetzt aber hinüber in den Santa Elena Canyon, dessen Felswände auf beiden Seiten des Rio Grande fast dreihundert Meter steil in den Himmel emporragen. Dazu muss man zunächst den etwa 20 Meter breiten Terlingua Creek überqueren, der je nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge unterschiedlich viel Wasser führt. Wir haben jedoch Glück, denn jetzt im April ist dieser kleine Nebenfluss des Rio Grande fast völlig ausgetrocknet. Auf der anderen Seite geht es dann zunächst ein Stück bergauf und dann auf schmalem Weg durch die hoch gelegene Uferböschung hinein in den Canyon, der sich immer weiter verengt, bis schließlich zwischen den himmelhoch aufragenden Felswänden und dem Fluß der Weg zu Ende ist. Falls man im Juli oder August unterwegs ist, wenn der meiste Regen fällt und der Wasserstand des Rio Grande höher ist, kann man von Lajitas oder Terlingua, zwei kleinen Siedlungen westlich des Big Bend auch mehrstündige Raftingtouren durch den Santa Elena Canyon unternehmen - mit Sicherheit ein ganz besonderes Erlebnis!


Desert Willow          Ocotillo

Trotzdem haben wir für den Besuch des Big Bend eine gute Zeit gewählt, denn März und April sind die besten Monate, um die vielen Wildblumen und Kakteen des Parks in voller Blüte zu erleben. Oft genügt schon ein einziger, ausgiebiger Regenschauer oder Gewitterregen, und die ausgetrocknete, karge Steppenlandschaft verwandelt sich über Nacht in einen blühenden Wüstengarten. Bunte Farbtupfer setzen dabei vor allem die breit gefächerten Ocotillo-Sträucher mit ihren langen, zierlich gebogenen Zweigen und leuchtendroten Blütendolden. Daneben entdecken wir auf unseren Wanderungen immer wieder ganze Flächen mit blühenden Kakteen und die großen Büsche der Desert Willow, die sich im Frühjahr über und über mit zartrosa Blüten schmückt.


Boquillas del Carmen

Leider kann man diese Gebirgslandschaft nicht näher erkunden, denn es gibt im gesamten Grenzgebiet des Big Bend weder Straßen noch Wanderwege, die hinüber nach Mexiko führen. Einzige Möglichkeit, zumindest für einen kurzen Abstecher hinüber nach Mexiko zu wechseln, ist eine kleine Fähre, die Besucher für ein par Dollar über den Rio Grande bringt. Vom anderen Ufer bis zu dem kleinen mexikanischen Dorf Boquillas del Carmen ist es dann nochmal eine Meile zu Fuß oder per Maulesel. Dort kann man dann im Schatten einer einfachen Cantina eine kurze Siesta einlegen, Tortillas oder Nachos essen und ein kühles mexikanisches Bier trinken. Viel zu sehen gibt es in dem kleinen Dorf allerdings nicht.


Boquillas Canyon

Zurück auf amerikanischer Seite kann man dann noch weiterfahren bis zum Boquillas Canyon Overlook und von dort aus ein Stück weit in diesen Canyon hineinwandern. Hier im Osten des Big Bend hat die Flusslandschaft übrigens einen ganz anderen Charakter als auf der Westseite des Parks mit ihren tiefen Felsschluchten. Hier ist das Flussbett viel breiter und flacher, die Vegetation üppiger und grüner. Flussabwärts warten dann schon die Lower Canyons des Río Grande Wild & Scenic River mit Stromschnellen der Klasse III bis IV. Wer eine Woche Zeit hat und genügend Wildwassererfahrung besitzt, kann diese 120 Meilen lange Strecke im Juli oder August mit Kajaks befahren. Allerdings gibt es es keine organisierten Touren durch das Gebiet und auch keinen Transportservice. Wildnisabenteuer pur also.


Roadrunner

Wer dabei unterwegs ein größeres Problem hat, kann sich dann an diesen neugierigen, aufgeweckten Vogel hier wenden. Er nennt sich Roadrunner, gehört zur Kuckucksfamilie, läuft schneller als so mancher Geländewagen und kennt sich in der Umgebung des Big Bend bestens aus. Nur zu finden ist er nicht ganz leicht :-)

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